STEIGMÜHLE

Mehl zählt zu den Grundnahrungsmitteln der aktuellen Ernährung. Um so wichtiger ist das Wissen um Getreidesorten, die Zölliaki verhindern und die Kenntnis von Müllern, die für sehr gute Mehlsorten sorgen.
 

Karin Leiber-geschäftsführende Inhaberin Steigmühle Engen
 
Die Steigmühle in Engen hatte schon seit jeher ihren Mühlen-Anteil. Urkundlich wurde ihr Name bereits 1374 als die Mühle bei der Esel Staig zwischen Kirchen und Hausen erwähnt. Doch dann zogen die Besitzer nach Engen um. Sie nahmen den Namen mit. Im Jahr 1891 wurde aus der Steigmühle die Käfermühle. Die Zeiten waren hart. Die Müller mussten schauen, wie sie überlebten und wurden Nebenerwerbslandwirte. Die Käfermühle hatte neben der Mühle auch Landwirtschaft, eine eigene Brennerei und Mosterei.
 
1978 übernahm die Familie Walter Leiber das Unternehmen. Ab diesem Zeitpunkt trug die Mühle den Namen Leiber Käfermühle.
Die ambitionierte Müllerin, Karin Leiber, hatte schon von Kindesbeinen an erlebt, was ein Müller leisten muss. Sie liebte diese Arbeit, die Ausbildung, deren offizielle Berufsbezeichnung ‚Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Getreidewirtschaft‘ lautet, schien vorgegeben.

Anlieferung Weizen bei der Steigmühle in Engen
Ihre Gesellenzeit verbrachte sie in einem anderen Betrieb, in dem sie weitere Erfahrung sammelte. 2004 war es dann soweit. Karin Leiber übernahm die Geschäftsleitung der Mühle 1991. Im gleichen Jahr änderte sie den Namen von Leiber Käfermühle in Steigmühle.
Heute führt sie die Steigmühle mit einem Festangestellten und vier weiteren Helfern. Gemeinsam mahlen sie Weizen, Dinkel und Roggen. Daraus werden in der Mühle 30 verschiedene Produkte hergestellt. Von Mehlen zum Backen, über Müsli bis hin zum Tierfutter ist das Angebot sehr vielseitig.
 
Karin Leiber kauft das Getreide ausschließlich regional.
 
Oberkulmer Rotkorn zählt zu den Urdinkel-Sorten
Zu ihren Dinkellieferanten zählt auch David Müller vom Müllerhof Kaltbrunn aus Allensbach. Er ist überzeugter Bio-Landwirt. Auf seinem Hof werden schon seit 45 Jahren alte Getreidesorten angebaut. David Müller weiß „Vor über 200 Jahren gab es viel Hunger im Land. Zur Förderung der landwirtschaftlichen Wissenschaft gründete unser damaliger Großherzog die Universität Hohenheim. Seither wurde die Landwirtschaft revolutioniert. Für den höheren Ertrag kam es zu Kreuzungen, die Sorten wurden verfälscht. Das hat sowohl Vorteile als auch Schattenseiten. Zu den Schattenseiten zählt, dass immer mehr Menschen an Zölliakie leiden. Das ist eine Autoimmunerkrankung. Der Auslöser ist das Klebereiweiss Gluten, der eine Entzündung des Dünndarms hervorruft.“ Der gesundheitsbewusste Landwirt ergänzt „Alte Urkornsorten sind jedoch sehr gut verträglich.“ Er ist glücklich, mit Karin Leiber eine Müllerin gefunden zu haben, die auch auf die Bio-Schiene setzt.
Gemeinsam sind der Landwirt und die Müllerin in einem Projekt, das Rainer Grimminger, Geschäftsführer der Bio-Region Bodensee, initiierte. Das Hegaukorn. Neun Landwirte und die Steigmühle-Müllerin taten sich zusammen und produzieren aus dem Oberkulmer Rotkorn Mehle alsauch Braugerste für die Bio-Bierherstellung.
Das Braugetreide kommt in der Mälzerei Eckenstein nach Lahr, wird dort vermalzt, anschließend zur Ruppaner Brauerei nach Konstanz gebracht und dort in Bio-Bieren verarbeitet.

Karin Leiber ist sich sicher, das Bewusstsein der Verbraucher in Richtung Bio wächst. „Das Verlangen nach ökologischen wie regionalen Produkten nimmt zu und demzufolge auch der Pflanzenanbau nach bio-Richtlinien. Auch im konventionellen Bereich gab und wird es weiter Veränderungen in Bezug auf Biodiversität geben. Für mich und mein Team ist sehr wichtig, allen Kunden qualitativ hochwertige Produkte – bio und konventionell – anbieten zu können.“