Haslacherhof -Tengen

19.07.2020

Wo Tierwohl Groß geschrieben wird

Elias Finsler sorgt dafür, dass es seinen Hühnern gut geht
Elias Finsler sorgt dafür, dass es seinen Hühnern gut geht

Vor fast 500 Jahren erbauten die damaligen Herren von Tengen den Haslacher Hof. Seit 1918 ist er im Besitz der Familie Finsler. Im Moment befindet er sich in der Generationenübergabe von Albrecht zu Elias Finsler, der den Hof in der 4 Generation weiterführen wird.

Der Hof umfasst ca. 100 Hektar Fläche, auf der überwiegend das Futter für 8.850 Legehennen und ca. 50 Rinder angebaut wird. Eine vergleichsweise kleine Fläche steht für die Erdbeer-Plantage zur Verfügung.
Mais, Weizen, Erbsen, Bohnen, Sonnenblumen und eine Kreuzung aus Roggen und Weizen sind die Basis der abwechslungsreichen Tiernahrung. Kalk und Vitamine kaufen die Landwirte als Ergänzung zu. Nach der Ernte des Getreides folgt die Lagerung und das Aufbereiten, das bedeutet manchmal trocknen, mahlen und mischen. So kann für jede Herde individuell das Futter mit Hof eigenem Getreide zubereitet werden.
Damit Eier marktgerecht angeboten werden können, gibt es auf dem Haslacher Hof fünf Ställe in verschieden Altersgruppen. Die Hühner bleiben durchschnittlich 1,5 Jahre auf dem Hof, dann kommen die alten Hühner raus und neue hinein. Im Fokus stehen die eierlegenden Hennen.

Küken leben
Küken leben

Hähne sind weniger gern gesehen. In vielen klassischen Betrieben werden Hahn-Küken geschreddert, auf den Müll geworfen oder zu Tierfutter verarbeitet. Das wollten die Finslers nicht. Daher entschieden sie sich bereits 2017 zur Umstellung auf das spezielle 'Henne und Hahn' Konzept. Es dauerte drei Jahre bis der komplette Betrieb umgestellt war. Die Hahn-Küken bleiben in Österreich, wo sie aufgezogen und später geschlachtet werden.
Das deutsche Bioland-Label bedeutet, dass die Tiere von der Aufzucht über die Fütterung bis hin zum Schlachthof gemäß dem Tierwohl gehalten, gepflegt und auch geschlachtet werden. Nur wenn alles chemiefrei bleibt und dies nachgewiesen werden kann, wird das Bioland-Label vergeben.

freie Entscheidung, rein oder raus
freie Entscheidung, rein oder raus

Auf die Frage "Wie kam es zu dem Grundsatzentscheid, dass Sie ihren Hof auf Bio umstellten?" erinnert sich Albrecht Finsler "Bei uns war es wie bei vielen anderen auch. Als meine Frau mit dem ersten Kind schwanger wurde, waren wir sensibler und sahen uns auf dem Hof um. Als Landwirte sind wir mit chemischen Substanzen viel intensiver in Kontakt als die Endverbraucher. Wir wollten uns gar nicht ausmalen, was wäre, wenn ein Kind in die Nähe der Chemie käme. Also entschlossen wir uns zur Umstellung und stehen auch heute noch hinter dieser Entscheidung. Die Natur veränderte sich nach dem Entzug der Chemie. Den vielen Schädlingen stehen viele Tausend Nützlinge gegenüber. Die Biodiversität sorgt für ein natürliches Gleichgewicht. In der Bevölkerung ist die Biene als Sympathieträger bekannt, es gibt jedoch noch viel mehr nützliche Insekten, die es zu bewahren gilt.
Das 'Unkraut', wir nennen es lieber Beikraut, stellte schon immer eine Herausforderung dar. Mit einer ausgefeilten Fruchtfolge, modernen Hackmaschinen und ein bisschen Fingerspitzengefühl lässt sich das gut bewältigen."

Albrecht Finsler weiß "Im Grossen und Ganzen lohnt sich die ganze Arbeit und bereitet dazu noch viel Freude."